Klosterfeste in Ladakh und Zanskar: die Termine 2027 – und was in keinem Kalender steht

Kyabje Stakna Rinpoche unter zeremoniellem Schirm, umgeben von älteren Mönchen, beim Sani-Gustor-Fest in Zanskar, Ladakh

Seine Eminenz, Sani Gustor, Zanskar. Kyabje Stakna Rinpoche, ein bemerkenswert junger Inkarnationslama, unter dem zeremoniellen Schirm, umgeben von älteren Mönchen in der Hochgebirgslandschaft Zanskars. Ausgezeichnet mit Gold beim One Shot Photo Contest 2026 der Exposure One Awards, Kategorie Travel (Professional).

Wer eine Reise nach Ladakh oder Zanskar um ein Klosterfest herum planen will, stösst schnell auf ein Problem: Die Termine stehen nirgends verlässlich. Wer im Januar nach «Karsha Gustor 2027» sucht, findet widersprüchliche Angaben, veraltete Listen oder gar nichts auf Deutsch.

Das hat einen Grund, der mit dem Kalender zu tun hat – und der ist schnell erklärt.

Warum sich die Daten jedes Jahr verschieben

Die Klosterfeste folgen dem tibetischen Mondkalender, nicht dem gregorianischen. Jedes Fest ist einem bestimmten Tag eines bestimmten Mondmonats zugeordnet – Karsha Gustor etwa dem 28. und 29. Tag des sechsten Monats. Weil ein Mondjahr rund elf Tage kürzer ist als ein Sonnenjahr und alle paar Jahre ein Schaltmonat eingeschoben wird, wandern die Feste im westlichen Kalender hin und her.

Konkret: 2026 fand Karsha Gustor Mitte Juli statt. 2027 liegt es Ende Juli. Ein Reisetermin, der in einem Jahr perfekt passt, geht im nächsten drei Wochen daneben.

Sani Gustor, Cham Maskentanz, ist bekannt für seine lebhaften Tänze – Sprünge, Pirouetten, wirbelnde Gewänder.

Klosterfeste in Ladakh und Zanskar

Termine 2026 und 2027

FestOrt20262027
Saka Dawaganz Ladakh31. Mai18. Juni
Yuru KabgyatLamayuru13.–14. Juni1.–2. Juli
Hemis TsechuHemis24.–25. Juni13.–14. Juli
Ladakh Polo FestivalChushot GongmaverschobenTermin offen
Shachukul KabgyatShachukul2.–3. Juli20.–21. Juli
Stongde GustorStongde, Zanskar3.–4. Juli21.–22. Juli
Phyang TsedupPhyang12.–13. Juli31. Juli – 1. Aug.
Karsha GustorKarsha, Zanskar12.–13. Juli31. Juli – 1. Aug.
Korzok GustorKorzok, Tso Moriri17.–18. Juli6.–7. August
Takthok TsechuTakthok24.–25. Juli11.–12. August
Sani Naro NasjalSani, Zanskar28.–29. Juli16.–17. August
Diskit GustorDiskit, Nubra8.–9. Oktober27.–28. Oktober
Thiksey GustorThiksey28.–29. Oktober16.–17. November
Die Daten folgen dem tibetischen Mondkalender und können sich kurzfristig um einen Tag verschieben. Quelle: Reach Ladakh, Leh.

Der Sonderfall Polo-Festival: Fast alle Kalender führen das Ladakh Polo Festival in Chushot mit «11. bis 17. Juli, jedes Jahr». Das ist das Wunschdatum der Veranstalter – aber selten das, was tatsächlich passiert:

  • 2025 wurde es auf den 6. bis 12. Juli vorgezogen, weil es sonst in den Trauermonat Muharram gefallen wäre.

  • 2026 wurde es auf September verschoben.

  • 2027 hoffen die Veranstalter, wieder auf ihrem Kalenderdatum vom 11. bis 17. Juli spielen zu können.

Der Grund liegt nicht im tibetischen Mondkalender, sondern im islamischen. Chushot ist ein schiitisch geprägtes Dorf, und der Trauermonat Muharram verschiebt sich jedes Jahr um rund elf Tage nach vorn. Fällt er auf das Juli-Datum, wird das Fest verlegt – ein Wettkampf mit Musik und Feiern passt nicht in diese Zeit.

Die gute Nachricht für Reisende: Man braucht das Festival gar nicht. Bei guter Saison spielt der Indus Chushot Polo Club an fast jedem Sonntag. Wer einen Sonntag in Leh verbringt, hat gute Chancen auf ein Match – ohne Menschenmenge und ohne Kalenderakrobatik.

Wer im Winter reist, findet eine ganz andere Festsaison vor: Spituk Gustor, Dosmochey, Matho Nagrang und Losar, das ladakhische Neujahr, liegen zwischen Dezember und Februar. Auf diesen Festen ist man als Reisender fast allein – bei Temperaturen weit unter null.

Chushot Polo Club beim Training

Wie voll ist es wirklich?

Viele Reiseberichte beschreiben die Klosterfeste Ladakhs als abgelegene, kaum besuchte Ereignisse. Das stimmt so nicht mehr.

Hemis ist heute eine Grossveranstaltung mit Reisebussen und Fotografenpulks. Auch Korzok am Tso Moriri zieht jedes Jahr viele Besucher an. Und Zanskar, lange als schwer erreichbar gehandelt, ist durch den Strassenausbau der letzten Jahre deutlich näher gerückt: Strecken, für die man früher zwei Tage und robuste Nerven brauchte, fährt man heute in einem Tag.

Der Ausbau hat allerdings wenig mit Tourismus zu tun. Ladakh grenzt im Osten an China und im Westen an die Kontrolllinie zu Pakistan. Beide Grenzverläufe sind umstritten, entsprechend hoch ist die Militärpräsenz. Die neuen Strassen, Brücken und Tunnel sind in erster Linie strategische Infrastruktur – dass Reisende davon profitieren, ist ein Nebeneffekt.

Für die Reise bedeutet das dreierlei: Strassen können zeitweise gesperrt sein – für Militärkonvois oder, häufiger noch, wegen Bauarbeiten. Für mehrere Gebiete – darunter Tso Moriri, Pangong Tso, Nubra und das Aryan Valley – braucht es Permits, die vorab organisiert werden. Und es wird nicht alles fotografiert: Militäranlagen, Konvois und Kontrollposten sind tabu.

Gebaut werden die Strassen nicht von Ladakhis. Die Arbeiter kommen aus Bihar, Jharkhand und anderen Bundesstaaten mit hoher Arbeitslosigkeit – meist junge Männer, die für eine Saison herkommen. Sie leben in Zeltlagern am Strassenrand, auf über 4'000 Metern, und arbeiten in Staub, Kälte und dünner Luft. Die Bequemlichkeit, mit der wir heute nach Zanskar fahren, ist ihre Arbeit.

Meine Einschätzung nach zwanzig Jahren: Grundsätzlich lohnen sich alle Feste. Hemis hat sich durch Marketing abgehoben und ist für den Tourismus perfekt organisiert. Gut besucht sind generell alle Feste in der Nähe von Leh – wie stark, schwankt von Jahr zu Jahr.

Seit Corona und einem viel gelesenen Beitrag eines indischen Influencers ist Ladakh vor allem im indischen Reisemarkt bekannt geworden: Gruppenreisen, Individualreisende, Motorradgruppen. Der internationale Tourismus hat in denselben Jahren eher abgenommen.

Das heisst nicht, dass die Feste ihren Charakter verloren hätten. Es heisst, dass man wissen sollte, worauf man sich einlässt.

Karsha Gustor, Zanskar, Juli 2019. Abgelegen heisst längst nicht unbesucht – im Hintergrund Zuschauer auf dem Klosterdach.

Die einzelnen Feste

Karsha Gustor, Zanskar

Karsha ist das grösste Kloster Zanskars, gegründet im 10. Jahrhundert und an einen Steilhang über dem Tal gebaut. Das Gustor-Fest dauert zwei Tage. Höhepunkt sind die Cham-Tänze: Mönche in schweren Brokatgewändern und Masken vollziehen langsame, präzise choreografierte Bewegungen zu Trommeln, Zimbeln und der Gyaling, der tibetischen Zeremonialoboe. Der Tanz findet im Innenhof des Klosters statt.

Am zweiten Tag wird die Linga zerstört, eine Figur, die das Negative verkörpert – in Karsha aus Teig geformt. Und an diesem Tag füllt sich das Kloster mit Menschen aus ganz Zanskar. Wer fotografieren will, ist früh dort besser aufgehoben.

Reservierte Plätze gibt es hier nicht. Das ist mir recht so. Wo die besten Plätze an westliche Gäste verkauft werden, habe ich Mühe damit – am Ende bringen alle mehr oder weniger dieselben Bilder nach Hause. Ein grosser und wichtiger Teil der Fotografie ist für mich die Auseinandersetzung mit den Menschen vor Ort, und wer sich bewegt, findet ohnehin den spannenderen Standpunkt.

Was mich interessiert, sind die Gesichter: Junge und Alte aus ganz Zanskar, in ihrer bunten traditionellen Kleidung, gekommen für den Maskentanz. Gesichter, denen man die Härte des Winters ansieht, die Sonne und den rauen Wind.

Und es ist nicht nur das Sehen. Im Innenhof steht und sitzt man dicht beieinander, man spürt die Menschen neben sich. Berührungsängste gibt es hier kaum. Dazu die Gerüche – ein Teil des Erlebnisses, den kein Bild transportiert.

Korzok Gustor, Tso Moriri

Korzok liegt auf 4'522 Metern am Ufer des Tso Moriri – wahrscheinlich das am höchsten gelegene Klosterfest, das man als Reisender besuchen kann. Zum Fest kommen die Changpa aus der weiten Ebene ringsum, in ihrer besten Kleidung, mit Familien und Verwandtschaft. Für viele ist es der gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres.

Korzok Gustor ist mein Favorit. Der Blick auf den Tso Moriri und die alten Klosterstrukturen geben viel her – und dazu die Welt der Changpa. Wie in Karsha wird auch hier im Innenhof des Klosters getanzt.

Die Changpa sind Halbnomaden und leben hauptsächlich von der Pashmina-Produktion, die vom Staat subventioniert wird. Ein eher scheues Volk, mit viel Tradition und einer starken Verbundenheit zu ihrem Land. Ein wunderschönes Fest, das über zwei Tage viel zu bieten hat.

Changpa-Nomadin beim Melken der Pashmina-Ziegen. Von diesen Tieren lebt ein Grossteil der Familien rund um den Tso Moriri.

Junge Mönche eröffnen das Korzok Gustor mit den Dungchen. Die tiefen Töne der Langhörner melden den Gottheiten, dass die Zeremonie beginnt – und rufen zugleich die Menschen aus den umliegenden Lagern zusammen.

Das Fest beginnt mit dem Klang der Dungchen. Zwei junge Mönche blasen die langen Messinghörner vom Balkon des Klosters über den Innenhof, ein tiefer, vibrierender Ton, den man mit dem Singen von Elefanten vergleicht. Er kündigt den Gottheiten an, dass die Zeremonie beginnt – und trägt über die ganze Ebene, sodass auch die entfernteren Lager wissen: jetzt geht es los.

Korzok Gustor. Der Yak wird mit geschüttelter Cola besprengt und geehrt – als Dank für die Arbeit des Jahres. Danach darf er nie mehr geschlachtet werden.

Was am Ende passiert

«Gustor» heisst wörtlich «Opfer des 29. Tages». Das Opfer ist allerdings kein Tier, sondern eine Figur in Menschengestalt: die Linga.

Die Tiere sind das genaue Gegenteil. Am zweiten Tag werden sie ins Kloster geführt, geschmückt: Ziegen, Pferde, ein Yak. Sie werden geehrt für die Arbeit des ganzen Jahres, von der die Changpa leben. Die Lamas streichen ihnen Butter auf die Stirn, eine rote Paste auf den Körper. Und dann wird geschüttelte Cola über den Yak gesprüht, unter den Rufen der Männer – ein Moment, in dem die Feierlichkeit für einen Augenblick in Ausgelassenheit kippt.

Für den Yak hat der Tag noch eine weitere Bedeutung. Er wird freigelassen, nach dem Brauch des Tsethar, «Leben befreien». Von diesem Tag an darf er nicht mehr geschlachtet werden und stirbt eines natürlichen Todes.

Das ist der Kontrast, der mir an diesem Fest gefällt: Das einzige Opfer ist eine gezeichnete Figur – und den Tieren wird versprochen, dass sie nie eines werden.

Die Linga entsteht: In Korzok wird die Figur aufgemalt statt aus Teig geformt. Während des Schwarzhut-Tanzes werden die zerstörerischen Kräfte in sie hineingebannt – und am Ende mit dem Ritualdolch daraus befreit.

Das ist die Linga – die Effigie in Menschengestalt, in die während des Tanzes die zerstörerischen Kräfte hineingebannt werden. Sie wird entweder aus Teig geformt oder, wie hier in Korzok, aufgezeichnet. Beides ist überliefert: In den tibetischen Ritualtexten gilt das «Zeichnen» der Figur als eine der Grundhandlungen des Linga-Rituals, und die Praxis geht auf indische Tantras zurück, die seit dem 8. Jahrhundert ins Tibetische übersetzt wurden.

Während des Schwarzhut-Tanzes treiben die Tänzer die negativen Kräfte zusammen und zwingen sie, in der Linga Zuflucht zu nehmen. Am Höhepunkt kniet der Haupttänzer nieder und zerstört die Figur mit dem Phurba, dem dreikantigen Ritualdolch.

Der Akt wird dabei nicht als Töten verstanden, sondern als Befreien: Die gebannten Kräfte werden aus ihren Mustern gelöst. Und gemeint sind nicht nur äussere Feinde, sondern die eigenen inneren Hindernisse – Unwissenheit, Begehren, Ablehnung.

Hemis Tsechu

Das bekannteste Fest Ladakhs, zu Ehren von Padmasambhava, und das einzige, das in praktisch jedem Reiseführer steht. Entsprechend voll ist es.

Das muss kein Nachteil sein. Hemis ist auf Besucher eingestellt und geht offen mit ihnen um. Und auch ausserhalb der Festtage lohnt sich der Weg: Das Kloster hat ein sehenswertes Museum.

Es lohnt sich, nicht nur im Innenhof zu bleiben. In den Gassen hinauf zum Kloster reihen sich die Stände: Sonnenbrillen, Schmuck, Tücher, Essen. Dazwischen stehen Männer um kleine Würfelspiele, auf denen die Geldscheine liegen. Das gehört zum Fest wie der Tanz – nur fotografiert es kaum jemand, weil alle drinnen sitzen.

Yuru Kabgyat, Lamayuru

Das früheste Fest der Saison. Lamayuru selbst ist eines der ältesten Klöster Ladakhs, aus dem 11. Jahrhundert, umgeben von der erodierten Felslandschaft, die man dort «Mondlandschaft» nennt.

Was man wissen sollte: Nicht überall wird im Innenhof getanzt. Eine Reihe von Klöstern nutzt einen angrenzenden Platz ausserhalb der Mauern, und Lamayuru gehört dazu – hier wurde dafür eigens eine Fläche angelegt. Das nimmt der Sache etwas von der Atmosphäre des alten Gemäuers, schafft dafür mehr Raum. Auch hier hat die Strasse viel verändert – viele halten auf dem Weg von oder nach Leh kurz an. Und die alten Stupas ausserhalb des Klosters wurden erneuert; auf den ersten Blick wollen sie nicht recht ins Bild passen.

Sani Naro Nasjal, Zanskar

Ein farbenfrohes, bezauberndes Fest, das viel Humor mitbringt. Die Tänzer haben eine eigene Dynamik, mit Sprüngen und Pirouetten – das ergibt ein sehr lebhaftes Bild.

Fotografisch ist es anspruchsvoll: Es hat so viele Leute, dass sich der Blickwinkel kaum wechseln lässt. Es hilft, klein und schmal zu sein.

Wer sich in die Reihe der Tänzer hineinbewegt, statt am Rand zu bleiben, bekommt ganz andere Bilder. Man ist dann Teil des Geschehens, nicht Zuschauer davor.

Eine Reise um die Feste herum planen

Drei Dinge sind bei der Planung entscheidend.

Erstens die Abstände. 2027 liegen Karsha Gustor (31. Juli/1. August) und Korzok Gustor (6./7. August) sechs Tage auseinander. Das reicht, um beide auf einer Reise mitzunehmen – die Strecke von Zanskar zum Tso Moriri braucht aber Zeit, und man will nicht durchhetzen.

Zweitens die Höhe. Korzok liegt auf über 4'500 Metern. Wer direkt von Leh anreist, sollte vorher genügend Tage zur Akklimatisation eingeplant haben. Mehr dazu unter Reiseinformationen.

Drittens das Polo. Ob das Polo-Festival zeitlich zu den Klosterfesten passt, lässt sich Monate im Voraus nicht sagen – zu oft wird es kurzfristig verschoben. Planen sollte man deshalb um die Gustor-Feste herum und das Polo als Zugabe betrachten. Fällt ein Sonntag in Leh in die Reise, ist ein Match ohnehin wahrscheinlich.

Meine Ladakh- und Zanskar-Reise ist genau um diese beiden Feste herum gebaut, mit Akklimatisationstagen zu Beginn und ohne Etappen, die den Tag im Auto verbringen lassen.

Fotografieren an einem Klosterfest

Meine Aufnahme «His Eminence, Sani Gustor, Zanskar» ist nicht im Klosterhof entstanden, sondern auf dem Weg dorthin. Kyabje Stakna Rinpoche, ein noch junger Inkarnationslama, war unterwegs zum Fest in Sani. Entlang der Strasse hatten sich Menschen aus den umliegenden Dörfern aufgestellt, um ihn zu empfangen – er unter dem zeremoniellen Schirm, begleitet von älteren Mönchen. 2026 wurde das Bild beim One Shot Photo Contest der Exposure One Awards mit Gold ausgezeichnet.

Das Bild sagt zugleich etwas über das Fotografieren in dieser Region: Der Moment stand in keinem Programm. Solche Begegnungen lassen sich nicht planen – man muss zur richtigen Zeit unterwegs sein und erkennen, was gerade passiert. Wer die Gegend kennt, sieht die Vorzeichen: Leute, die sich am Strassenrand sammeln, Schirme, Räucherwerk. Dann hält man an, statt vorbeizufahren. In dieser Zeit ist in Zanskar auch Hochzeitssaison.

Einer unserer Fahrer stammt aus der Gegend – über ihn ergibt es sich manchmal, dass wir zu einer Feier dazukommen. Versprechen kann ich das nicht. Aber es ist der Unterschied zwischen einem Programm, das abgefahren wird, und einer Reise, die ansprechbar bleibt für das, was gerade stattfindet.

Den Platz muss man sich erarbeiten

Dazu gehört, sich auf die Menschen einzulassen, sie zu respektieren und mit ihnen zu reden. Flirten ist angesagt – und wenn es sich ergibt, verbringt man einfach etwas Zeit miteinander.

Nicht einfach drauflosknipsen: Auch hier haben Menschen ihre Privatsphäre, und die ist zu respektieren. Wer abwinkt, wird nicht fotografiert. Punkt. Das ist mir wichtig.

Und manchmal fotografiert man gar nicht. Man taucht ein, schaut, orientiert sich, geniesst.

Zur Ausrüstung

Für die Beweglichkeit in der Menge sind 24 oder 35 Millimeter ideal, dazu eine möglichst kleine Kamera. Ich arbeite mit zwei Bodys – zwei Sony A7R V – und nur mit Festbrennweiten: 24 mm f/1.4, 55 mm f/1.8, 105 mm Makro und 135 mm f/1.8. Bewusst kleine Objektive.

Ein langes Zoom wäre in manchen Situationen hilfreich, in der Menge aber schlicht zu gross und zu schwer. Für Landschaft und Tiere lohnt es sich trotzdem. Ein 70–200 ist kompakter und lichtstärker, verlangt aber, dass man nahe genug herankommt. Ein 100–400 nimmt einem diese Entscheidung ab – am Tso Kar etwa, wo man den Kiangs nicht näher kommt, als sie es zulassen. Für Reisen wie diese ist es meist die praktischere Wahl. Bei mir bleibt es allerdings meist im Auto, bis ich es wirklich brauche.

Das verlangt, dass man sich bewegt und nahe herangeht. Die 60 Megapixel helfen natürlich – aber croppen will man ja nicht.

Einen grossen Unterschied macht, wo getanzt wird. Im Innenhof – wie in Karsha oder Korzok – ist es eng, das Licht schwierig, und den Standpunkt wechselt man kaum. Auf den Freiflächen ausserhalb hat man mehr Bewegungsraum, dafür fehlt die Kulisse der alten Mauern.

Dazu kommt, was man auf Reisen selten erwähnt, aber immer braucht: Laptop, Ladegerät, genug Akkus, Speicherkarten – und Strom. Den gibt es nicht überall, und wenn, dann oft nur eine Steckdose für alle.

Drei Kleinigkeiten, die mehr ausmachen, als ihre Grösse vermuten lässt

Ein Godox iM20. Der kleinste Aufsteckblitz, den ich kenne: 31 Gramm, kaum grösser als eine Streichholzschachtel, fünf Leistungsstufen, geladen über USB-C. Er leuchtet keinen Innenhof aus, dafür ist er viel zu schwach. Aber für ein Porträt in einer dunklen Küche oder als Aufhellung gegen die harte Höhensonne reicht er. Und weil er nichts wiegt, ist er auch dann dabei, wenn ein richtiger Blitz längst im Hotel läge.

Ein Anker Prime mit 160 Watt und drei Anschlüssen, davon zwei USB-C. Klingt nach einem langweiligen Detail, löst aber genau das Problem von oben: Laptop, Akkuladegerät und Telefon hängen gleichzeitig daran.

Und eine ganz gewöhnliche Steckerleiste. Das klingt nach nichts, ist aber das Teil, um das ich abends am meisten beneidet werde. In den Gasthäusern gibt es oft eine einzige Steckdose im Zimmer, manchmal eine für den ganzen Flur. Mit der Leiste ist am nächsten Morgen alles voll.

Fotoausrüstung für eine Reise nach Ladakh: zwei Sony A7R V mit Festbrennweiten, Laptop und Zubehör

Was mitkommt: zwei Sony A7R V, 24 mm, 55 mm, 105 mm Makro und 135 mm, dazu Laptop, Ladegerät, Steckerleiste mit Adapter und Speicherkarten.

Danke fürs Lesen bis hierher.

Wenn Sie einmal in einem Klosterhof in Zanskar stehen, zwischen Menschen, die seit Stunden warten, und die Trommeln setzen ein – dann werden Sie fotografieren wollen. Tun Sie es. Aber lassen Sie die Kamera zwischendurch auch sinken. Die Bilder, an die ich mich am längsten erinnere, sind nicht immer die, die ich gemacht habe.

Die Reise für 2027 ist um Karsha Gustor und Korzok Gustor herum gebaut. Wer mitkommen möchte, meldet sich.

Zurück
Zurück

Wie plane ich eine Fotoreise?

Weiter
Weiter

Warum nicht in Farbe? Oder doch lieber Schwarz-Weiss.