Wie plane ich eine Fotoreise?
Wichtige Tipps zur Planung Ihrer Fotoreise – vom Visum bis zur Impfung. Und was ich an Ausrüstung mitnehme.
Sopore, Jammu und Kaschmir, während Eid, Juni 2024. Solche Tage muss man kennen, bevor man die Route festlegt – sie stehen in keinem Reiseführer.
Woran muss ich denken, wenn ich eine Fotoreise plane?
Je nach Region, in der ich meine Reiseroute festlege, suche ich nach gesellschaftlichen Anlässen, nach Zeremonien, Festlichkeiten und religiösen Veranstaltungen. Ich suche nach Themen, nach einer Geschichte und einem Weg, dem ich folgen kann.
Ein Beispiel: Eid al-Adha, das Opferfest, fällt auf den zehnten Tag des Monats Dhu al-Hidscha und wandert damit jedes Jahr durch den westlichen Kalender. 2024 war es in Indien der 17. Juni – in Saudi-Arabien schon der 16., weil die Mondsichel dort nach Kalender bestimmt wird und in Südasien nach tatsächlicher Beobachtung.
Wer an einem solchen Tag fotografieren will, muss vorher dort sein. Und lernt am Tag davor oft mehr als am Fest selbst. In Sopore im Kaschmirtal war der 16. Juni der Einkaufstag: die Strassen voller Stände, Stoffe, neue Kleider für den nächsten Morgen, Gedränge unter den Sonnenschirmen. Am Morgen darauf dann das Gegenteil – Hunderte in Reihen, gleichzeitig in der Niederwerfung, und für ein paar Minuten kein Laut.
Zwei Tage, zwei völlig verschiedene Bilder. Deshalb plane ich nie auf einen Tag, sondern auf ein Fenster.
Weil ich mich möglichst unauffällig und angepasst verhalten will, besonders mit der Kamera, informiere ich mich immer über die örtlichen Sitten und Regeln.
Sopore, Jammu und Kaschmir, Eid 2024, aufgenommen mit 135 mm. Ein Standpunkt etwas oberhalb, eine längere Brennweite – und aus tausend Einzelnen wird ein Muster.
Papiere und Bewilligungen
Noch von zu Hause aus kläre ich ab, ob es neben dem Visum spezielle Bewilligungen von Behörden vor Ort braucht. In Gebieten, die vom Militär kontrolliert werden, ist ein Inner Line Permit unerlässlich.
Es lohnt sich, immer einige Passfotos dabeizuhaben, dazu Kopien von Pass und Visum, ein paar US-Dollar und einen Kugelschreiber.
Dasselbe Gebet, andere Brennweite. Das 135 mm trennt einen Einzelnen aus der Menge heraus, ohne dass man näher heran muss – die Vordergründe verschwinden in der Unschärfe.
Gesundheit und Sicherheit
Ebenso wichtig sind die Abklärungen zur eigenen Gesundheit und Sicherheit: Impfungen, politische Lage, Umwelteinflüsse.
Zum Thema Durchfall mein Tipp: probiotische Helfer in Pillenform, für lange Reisen Imodium und Papiertaschentücher. Desinfektionsmittel für die Hände gehört ebenfalls dazu.
Um mich auf die fotografische Arbeit konzentrieren zu können, ist mir guter Schlaf wichtig. Immer dabei habe ich einen seidenen Schlafsack oder ein einfaches Stofftuch – für mich eine enorme Aufwertung des Komforts.
Die klimatische Situation kann sich von einer Stunde auf die andere ändern. Man sollte auf Wetter- und Temperaturwechsel vorbereitet sein.
Sopore, Eid al-Adha. Der Koran auf dem Sims, im Glas der Hof – und was gleich geschehen wird.
Vor dem Opfer wird gebetet. Sopore, Eid al-Adha 2024.
Meine Ausrüstung
Das Ziel ist, mit möglichst wenig und möglichst leichtem Equipment zu reisen. Das fördert den kreativen Umgang mit der Kamera – vor allem aber den Umgang mit dem, was vor der Kamera steht.
Es hilft, wenn man weiss, wo das eigene fotografische Interesse liegt. Dann kann man sich auf eine überschaubare Ausrüstung konzentrieren.
Weniger ist mehr, rumtragen ist schwer. Meistens reichen ein Body und ein Objektiv – bei mir eine Festbrennweite im normalen Bereich.
Meine Standardausrüstung
Zwei Sony A7R V
Sony 24 mm f/1.4, Sony 55 mm f/1.8, Sony 105 mm Makro, Sony 135 mm f/1.8
Speicherkarten und Kartenleser
Ersatzakkus und Ladegeräte
Steckerleiste mit Reiseadapter – Strom gibt es nicht überall, und wenn, dann oft nur eine Steckdose für alle
MacBook Pro. Software: Photo Mechanic, Lightroom, Photoshop
Gitzo GT3542 Carbon-Stativ mit Manfrotto-Kugelkopf. Ob es mitkommt, hängt vom Thema ab – für Landschaft und den Sternenhimmel ist es unverzichtbar, in der Menge an einem Klosterfest bleibt es im Auto
Externe SSDs für die Sicherung, je nach Reiselänge 1, 2 oder 4 Terabyte. Sie sind heute so klein und günstig, dass es keinen Grund mehr gibt, ohne Backup zu reisen – und anders als Festplatten überstehen sie Erschütterungen auf schlechten Strassen. Ich sichere jeden Abend, bevor die Karten wieder in die Kamera gehen
Blasebalg und Reinigungsstift, während des Monsuns zusätzlich Silica-Gel-Beutel gegen die Feuchtigkeit
Was mitkommt. Die Steckerleiste unten rechts ist das Teil, um das ich abends am meisten beneidet werde.
Optional
Ein langes Zoom, wenn es das Gepäck zulässt. Ein 70–200 ist kompakter und lichtstärker, verlangt aber, dass man nahe genug herankommt. Ein 100–400 nimmt einem diese Entscheidung ab und ist für Landschaft und Tiere meist die praktischere Wahl – am Tso Kar etwa, wo man den Kiangs nicht näher kommt, als sie es zulassen. Bei mir bleibt es allerdings meist im Auto, bis ich es wirklich brauche: In der Menge zählt Beweglichkeit mehr als Brennweite.
Manchmal kommt ein Star Tracker mit: ein Move Shoot Move SiFo Rotator, die erste Generation, inzwischen vom Nachfolgemodell abgelöst. Er wiegt 445 Gramm und dreht sich einmal in 24 Stunden mit der Erde mit. Damit sind Belichtungen von mehreren Minuten möglich, ohne dass die Sterne zu Strichen werden – bei deutlich niedrigerem ISO und entsprechend saubereren Bildern. Ausgerichtet wird er mit dem Laserpointer auf Polaris oder, genauer, durch den Polsucher.
Wichtig ist dabei das Stativ. Bei Belichtungen über mehrere Minuten zeigt sich jedes Wackeln, und ein leichtes Reisestativ reicht dafür nicht. Ich nehme das Gitzo GT3542 – schwerer als nötig für den Tag, aber die Grundlage dafür, dass die Nacht überhaupt funktioniert.
Ladakh ist einer der besseren Orte überhaupt dafür: über 4'000 Meter, trockene Luft, praktisch keine Lichtverschmutzung. Der Aufbau kostet aber Zeit, und die drei Kilo Tragkraft des Trackers reichen nur für leichte Kombinationen. Deshalb entscheide ich vor jeder Reise neu, ob er mitkommt.
Was für die Nachtaufnahmen dazukommt. Der Laser richtet den Tracker auf Polaris aus – in der Dunkelheit deutlich schneller als durch den Polsucher.
Und dann?
So plane ich meine eigenen Reisen. Wer sich das nicht selbst antun möchte: Bei meinen Reisen nach Nordindien ist all das bereits erledigt – Bewilligungen, Fahrzeuge, Unterkünfte und ein Ablauf, der sich nach den Festen und dem Licht richtet.